700 junge Menschen, davon 500 Schulsanitäter:innen vertieften am 7. März in Rosenheim in 71 Workshops ihr Können. Das Fortbildungsangebot am Praxistag reichte von praktischen Workshops unter anderem zur Wundversorgung über die Behandlung von Knochenbrüchen bis zum Umgang mit Verbrennungen, Allergien, Vergiftungen oder akuten Bauchschmerzen. Außerdem führten die Schülerinnen und Schüler Herz-Lungen-Wiederbelebung mit AED und Beatmungsbeutel durch, erlernten Trage- und Transporttechniken und erhielten wichtige Informationen rund um den Katastrophenfall. Weiter im Angebot: Workshops zum Vorgehen bei Drogennotfällen, bei Quetschungen und Amputationen sowie im Falle einer Hyperventilation. Auch für die begleitenden Lehrkräfte gab es wieder zahlreiche Austauschformate und Fortbildungsmöglichkeiten.
Erstmals gab es Workshops zur Berufsorientierung: hier erhielten die Schulsanitäter/innen aus erster Hand Einblicke in die Aufgaben einer Notfallsanitäter/-in und von Ärzt/-innen.
Der Schulsanitätsdienst ist weit mehr als Erste Hilfe im Schulalltag. (…) Ihr sammelt Erfahrungen, die man nicht theoretisch lernen kann. Zusammenarbeit, Entscheidungsfähigkeit, Verlässlichkeit und der Umgang mit herausfordernden Situationen: das sind Fähigkeiten, die (…) dringend gebraucht werden.
Staatsminister Joachim Herrmann, MdLBetont in seinem Grußwort die Wichtigkeit des SSD
Spannende Einblicke: Rettungs- und Einsatzfahrzeuge, Rettungshundestaffel, Drohnen und mehr
Der informative Zentralvortrag im Rahmen der Eröffnung wurde in diesem Jahr durch Valerie Riepl-Bauer und Nicole Friedrich vom iSPZ der Dr. von Haunerschen Kinderklinik (München) durchgeführt. Er befasste sich – spannend aufbereitet – mit dem Thema Schädelhirntrauma und Gehirnerschütterung. Also klassischen Verletzungen, auf die Schulsanitäter/-innen in ihrem Alltag stoßen. Auch am Rande des Praxistages gab es für die Teilnehmenden viel Neues zu entdecken: Rettungs- und Einsatzfahrzeuge aller Hilfsorganisationen waren vor Ort, außerdem die Freiwillige Feuerwehr Rosenheim mit einem Drehleiterfahrzeug, das THW Rosenheim, eine Motorradstaffel (BRK Rosenheim), ein Boot (DLRG Bad Aibling), Drohnen, eine Rettungshundestaffel (DLRG Rosenheim) sowie der Wünschewagen des ASB. Auch die Psychosoziale Notfallversorgung (Johanniter) nahm teil und erklärte, wie Betroffene, Angehörige, Ersthelfende und Einsatzkräfte nach akuten traumatischen Ereignissen wie Unfällen oder Katastrophen umgehend unterstützt werden.
Besonderheiten in diesem Jahr
Wir freuen uns sehr, dass die Schulsanitäter/-innen der Deutschen Schule aus Sofia zu Gast waren. Diese wurden im Herbst letzten Jahres durch das Bayerische Jugendrotkreuz in Bulgarien eine Woche lang ausgebildet. Die Verpflegung übernimmt in diesem Jahr erstmals eine Schnell-Einsatz-Gruppe, die vor allem bei Großeinsatzlagen für die Versorgung verantwortlich ist. Und das Österreichische Jugendrotkreuz bereicherte die Veranstaltung mit einem Erste-Hilfe-Escaperoom.
Zum Hintergrund des Schulsanitätsdienstes
Der Praxistag Schulsanitätsdienst wird seit 15 Jahren von den fünf großen, bayerischen Hilfsorganisationen gemeinsam organisiert und durchgeführt. Zusammen qualifizieren und betreuen sie mehrere tausend Schulsanitäterinnen und -sanitäter. Der Praxistag steht im Einklang mit der kultusministeriellen Bekanntmachung von 2019, in der formuliert wird, dass Erste Hilfe und das Engagement im Schulsanitätsdienst zentrale Bestandteile der Sicherheits- und Gesundheitsbildung an Schulen seien (vgl. BayMBl. 2019 Nr. 249 – Verkündungsplattform Bayern)
Für die verantwortlichen Lehrkräfte gab es sieben unterschiedliche Workshops etwa zu Organisation und Leitung eines SSD oder Kindernotfällen. Der angebotene Workshop „Reanimation im Klassenzimmer“ für Lehrkräfte wird durch das Staatministerium für Unterricht und Kultus als Fortbildung anerkannt.
Zu den Besonderheiten des Praxistages befragt, sagte Lorraine Weber, ARGE Schulsanitätsdienst in Bayern und Bildungsreferentin im Bayerischen Jugendrotkreuz, ehemals Schulsanitäterin: „Die Schülerinnen und Schüler sollen mit dem Gefühl nach Hause gehen, gesehen zu werden und dass ihr Engagement für die Gesellschaft eine zentrale Bedeutung hat. Der Schulsanitätsdienst steht für Solidarität, Hilfsbereitschaft und Verantwortung, er ist kein Pflichtprogramm. Dahinter stehen junge Menschen mit einer echten Leidenschaft: dem Wunsch, Menschen zu helfen und Leben zu retten. Leistungsdruck und Noten spielen hier keine Rolle. Es geht um humanitäre Werte, um das Miteinander und den Teamgeist. Wie sehr den Jugendlichen ihr Engagement am Herzen liegt, zeigt sich seit 15 Jahren am Praxistag: Jahr für Jahr sind sie bereit, an einem Samstag freiwillig zu kommen, um sich fort- und weiterzubilden.“

